Der Lastenausgleich von 1952 – ein reaktionärer Mythos

Beitrag von Michael Riese / 30.06 2020

In der LINKEN übernimmt der oder die eine vom anderen den Hinweis, wie erfolgreich der Lastenausgleich 1952 gewesen wäre und man das nunmehr in Zeiten der Coronapandemie kopieren möge. Ich weiß nicht, ob uns die Genossin Wagenknecht dieses Ei ins Nest gelegt hat, wo sie doch ein Faible für Ludwig Erhardt entwickelt hat.

Auf alle Fälle handelt es sich um einen reaktionären Mythos, auf den die LINKE da reinfällt.

Die damalige Sozialdemokratie wollte einen sozialen Lastenausgleich, um vor allem die vielen Millionen Flüchtlinge wirtschaftlich und gesellschaftlich aufzufangen. Die CDU und alle anderen konservativen Kreise wollten einen Ausgleich für erlittene Vermögensverluste, auch vor allem der damals Vertriebenen aus den Ostgebieten. So wurde es dann auch gemacht. Es waren vor allem die damals entstehenden Vertriebenenverbände, die den Lastenausgleich forderten und das Gesetzgebungsverfahren stark beeinflussten. Nutznießer waren dann nicht nur, aber vor allem diejenigen Vertriebenen, die größeren Besitz in den von den Nazis mit ihrer Hilfe germanisierten Ostgebieten verloren hatten und Gutsbesitzer in Ostpreußen. Die Volksdeutschen Helfer der Nazi-Kolonisierung erhielten durch das Lastenausgleichsgesetz Anspruch auf Entschädigung.

Die gerühmte Umverteilung, dass diejenigen, die über Vermögen verfügen, den nunmehr Mittellosen finanziell durch Finanzierung des Lastenausgleichs helfen sollen, fand auch nicht statt. Nicht nur, dass die Lasten auf dreißig Jahre gestreckt werden konnten und durch die Inflation zusammenschmolzen, etliche führende Industrieunternehmen sollen nur einen Bruchteil der gesetzlichen Abgabe in den Fonds geleistet haben.

Auch wenn der Lastenausgleich heute eine brauchbare Idee wäre (was zweifelhaft ist) und die LINKE alles besser machen würde als Adenauer 1952, sollte man sich doch etwas schlaumachen, bevor man Maßnahmen in der deutschen Geschichte rühmt.