„Die Hessen kommen“ (Rodgau Monotones).

„Strategie“ für die LINKE nach zeitlos guten, überlieferten Rezepten.

Beitrag von Jörg Prelle, 30.07 2020

Man mag ja gut finden, dass die hessische Partei nun endlich beschlossen hat, „dass der Kapitalismus an seine Grenze gestoßen ist und dass es nicht mehr reicht, sich mit Tagesfragen zu befassen, Missstände anzuprangern und über parlamentarische Mehrheiten nachzudenken.“ (Ich entroste schon mal mein altes Luftgewehr im Keller).

Dabei beweist der Landesvorstand zusätzlich noch einen gewissen Humor, der auch Mut zu lustigen Widersprüchen nicht scheut, wie: „Der Kapitalismus ist nicht mehr in der Lage, für die Mehrheit der Menschen grundlegende Lebensbedingungen zu ermöglichen … Das gilt verschärft für die Länder des Südens. „Aber ein paar Zeilen weiter zum „verschärft“ leidenden Süden: „Der Süden ist dabei, den Norden, oder wie das früher hieß: den Westen zu überholen“. Erweist sich jetzt der selige Walter Ulbricht (hatte hessische Wurzeln) doch noch als Vordenker mit seiner alten Forderung: „Den Kapitalismus überholen, ohne ihn einzuholen.“? Oder was genau ist Süden, was ist Westen, was ist Norden? Braucht der Landesvorstand dringend einen Kompass?

Und weiter: „Der LV ist natürlich gegen einen Boykott Venezuelas und Irans“ (Syrien vergessen?)“nur weil es dort keine Demokratie gebe“. Aber dann (paar Sätze vorher) die „Bewegungen um Demokratiefragen sind wichtig und müssen unsere Unterstützung haben“. Übrigens, schon alleine der Begriff „Demokratiefragen“ gefällt mir. Fragen darf man schließlich. Aber ich vermute mal, dass sich die „Bewegungen um Demokratiefragen“ angesichts unserer bekannten geopolitischen Flexibilität eben in Sachen Demokratiefragen durch unsere „Unterstützung“ nicht sehr bereichert fühlen.

Fazit:

Nicht nur wegen der drei genannten Zitate, sondern insgesamt sage ich mal ganz subjektiv: Ich habe in meinem linken Engagement hinreichend viele Strategiepapiere gelesen. Dies hier (siehe Anhang) ist zweifellos mit das Einfältigste, was ich gelesen habe. Dabei betone ich, jede/r hat das Recht, Unsinn zu schreiben. Wovon auch ich gelegentlich Gebrauch gemacht habe. Aber immer gab es einen Diskussionszusammenhang, der Unsinn halbwegs korrigiert hat. In diesem Fall beschließt aber ein real existierender Landesvorstand der LINKEN mit Mitgliedern aus Gremien aller Ebenen: (BT incl.) eine solche Vorlage als hessischen STRATEGIEvorschlag für die Bundesdiskussion!!?? Das wirft ein Schlaglicht auf die politische Funktions- und Urteilsfähigkeit dieses Gremiums.