Über politische Logik und ein wenig über Mut

Beitrag von Dieter Storck, 17.08.20

Mir ist zu Ohren gekommen, dass aus Kreisen, die der hessischen Parteiführung der Linkspartei nahestehen, eine Forsa Wahlumfrage Bundestag vom Sonntag, 16.08.20, kommentiert wurde. Die Umfrage ergab für die SPD in Bezug auf die letzte Umfrage +2%, für die GRÜNEN +2%, für DIE LINKE -2%. Kommentiert wurde dies dahingehend, dass man ja sähe, was DIE LINKE davon hätte, wenn sie den völlig falschen Weg der positiven Diskussion über Rot-Rot-Grün ginge – nämlich Umfrageverluste. 

Nun definiert Wikipedia Logik so: “In der Logik wird die Struktur von Argumenten im Hinblick auf ihre Gültigkeit untersucht, unabhängig vom Inhalt der Aussage.“ Also machen wir das so. Unabhängig davon, ob es richtig oder falsch ist den WählerInnen mit Rot-Rot-Grün die einzig mögliche Chance für eine Mehrheit jenseits der CDU/CSU anzubieten oder nicht, untersuchen wir die „Gültigkeit“ des Argumentes: Wie, um alles in der Welt der Logik, soll sich die angebliche Abneigung der WählerInnen gegen Rot-Rot-Grün darin äußern, dass eben diese Parteien bei der Umfrage in der Addition um 4% zulegen? Anscheinend ist den GegnerInnen von Rot-Rot-Grün mittlerweile jedes unsinnige Argument recht. 

Übrigens: Umfrage 16.08.20, Kantar (Emnid): SPD +3%, Grüne -2%, LINKE unverändert. Und noch eins: Während die Umfrage, die kürzlich nur noch 4% für die hessische LINKE bzgl. Landtagswahl ergab, von den gleichen Kreisen als quasi irrelevante Momentaufnahme in Corona-Zeiten abgetan wurde, haben andere Umfragen anscheinend epochale Bedeutung. 

Aber noch einmal wegen Logik: In den Papieren des hessischen Landesvorstandes wird vehement darauf hingewiesen, dass DIE LINKE, statt auf parlamentarische Mehrheiten zu orientieren, auf die Bewegungen setzen solle, weil die die Politik im Lande bestimmten. Und deswegen brauche es kein Rot-Rot-Grün bei der DIE LINKE ja nur Juniorpartnerin wäre. 

Wieder Methode wie oben: Wir fragen nicht nach der Richtigkeit des Inhaltes der Aussage, sondern nach der Gültigkeit des Argumentes. Wenn es denn so wäre, dass die Bewegungen in Deutschland derartig wirkmächtig sind, wie um alles in der Welt der Logik, soll diese Wirkmächtigkeit nicht funktionieren, wenn DIE LINKE mit in einer Regierung ist?

Und nun zum Mut: Der GRÜNEN Co-Vorsitzende Habeck fragt bzgl. kommender Bundestagswahl warum die CDU/CSU stärkste Kraft werden soll und nicht die GRÜNEN? 

Aktuelle Umfragezahlen: CDU <38%, GRÜNE <20%. Der Mann traut sich was. Würde ich mir von meinen Führungskreisen auch wünschen. Statt immer vorzurechnen, dass >5% bei den aktuellen Umfragen für Rot-Rot-Grün fehlen und es schon von daher keinen Sinn mache, darauf zu orientieren. 

Hier wäre es mal Zeit für Brecht: „Wer nicht kämpft…“